Fansubdiskussion – Eine vertane Chance

connichi

Die illustren Gäste auf der Connichi zum Thema „Steht die Anime-Kultur vor dem Untergang“

Auf der Connichi fand wie angekündigt vor gut einer Woche die Diskussion zum Thema Fansubs, Anime und dessen Untergang mit Gästen aus der Riege der Publisher, Copyrightschützer und Fansubszene statt. Animefansubs.org stellt die komplette neunzigminütige Diskussion als Video online (~1,5Gb). Aus dem Titel dieses Beitrags wird meine -noch euphemistisch umschriebene- Meinung dazu deutlich. Warum man sich diese Diskussion hätte sparen können und darüber peinlich für alle Beteiligten war, nach dem Umbruch…

Gründe:

  • Der Moderator: Hibbelig, nur teilweise interessiert gewirkt, gibt auch noch selber seine Meinung zum besten und das stärkste Stück: Fertigt seine geladenen Gäste, die Hälfte immerhin promovierte Akademiker, wie seine Kumpels auf einer Gartenparty ab (guckt sie am Ende von einem Statement nicht mal an und gibt ein genuscheltes, nicht ernst gemeintes „wunderbar“ ab) und steht die meiste Zeit rum wie bestellt und nicht abgeholt, sprich nicht mal im Ansatz bewusste Körperhaltung.
  • Die Moderation: Zu großen Teilen im obigen Kritikpunkt schon behandelt, aber man muss sich das vor Augen halten: Solch ein interessantes Aufgebot an Gästen aus wirklich allen relevanten Bereichen des behandelten Themenspektrums und den GVU-Vertreter lässt man nur ein einziges Mal zu Wort kommen um eine allgemeine Copyrigdefinition abzuliefern?
  • Die Publikumsfragen: Das hat mich beinahe umgehauen. Die Hälfte der Publikumsgäste die Fragen gestellt haben, tischten dem versammelten Publikum erst mal ihre halbe Lebensgeschichte und ungefragt ihre Meinung zu Gott und der Welt auf. Dann muss man natürlich gleich drei Fragen auf einmal stellen. Aber jede so, als ob es klingt als wäre man der deutschen Sprache nicht mächtig. Mein Highlight bei Minute 59:00 „Naja, aberz.B. amerikanische Anime äh äh Veröffentlicher oder sowas äh Studios die haben jetzt auch son Anime gehabt der war ein Anime äh in Japan 30 Folgen lang und die haben den noch bevor der in Japan ausgestrahlt worden ist, fertig lizenziert gehabt und äh…“. Danach kommt noch „ich finde“ und „ich meine“… Noch Fragen?
  • Fansubs über alles: Das stieß mir auch sauer auf bei der Diskussion. Sämtliche Rechteinhaber beziehen neutrale, fast schon positive, Positionen zu Fansubs, Herr Dr. Kaps von Tokyopop betont beispielsweise immer wieder, dass er in Fansubs unlizenzierter Serien nicht das (Haupt-)Problem sieht, Dinoex und Conamichi von den beiden größten deutschen Fansubportalen rücken sich auch gut ins Licht und dann schlägt den Publishern und Verlegern noch diese „Fansubs sind viel besser“ und „Was ihr macht ist voll schlecht“-Atmosphäre entgegen.
  • Teile der Gästeliste: Warum zur Hölle mussten an den Diskussionstisch auch noch zwei nicht weiter bekannte Fans, wenn es eh die ganze Zeit Publikumsfragen gab? Und dann waren Dinoex und Conamichi wohl die naheliegendste Wahl für Vertreter der deutschen Fansubszene, waren aber in Eloquenz und Rethorik ihren Gesprächspartnern nicht gewachsen. Und während diese interessante Einblicke hinter die Kulissen gewährten, gab es von den beiden nur ziemlich viel allgemeines und Fansublob und Publisherkritik.
  • Aktualitätsbezug: Bereits vor über einem Jahr habe ich hier im Blog einen Artikel unter dem Namen Das Ende von Fansubs? verfasst. Ich hätte mir gewünscht, dass die Diskussion auch nur annähernd diesem Stand der Dinge entsprochen hätte, aber selbst das wurde von Herrn Dr. Kaps nur einmal kurz angesprochen und vergessen war es. Ansonsten hat man sich wie in der Prä-Y2K Ära gefühlt: Fansubs auf der einen Seite und auf DVD veröffentlichte Serien Jahre später. Eine Nachricht an alle Gesprächsteilnehmer: Willkommen im now.

Aber nicht alles war schlecht. Interessant waren vor allem die Einblike die Herr Dr. Kaps und Herr Remmecke gewährten, wie das bei den Publishern und Verlagen mit Animeveröffentlicheungen gehandlet wird. Wenngleich man sich das meiste selber zusammenreimen kann (jede weitere DVD einer Serie verkauft sich schlechter, Zweite Staffel verkauft sich schlechter als erste etc.). Aber alles in allem wie Eingangs erwähnt, meiner Meinung nach eine vertane Chance.

PS: Die realitätsnahe Diskussionsrunde ganz am Ende was man verbessern könnte, damit die Welt ein besserer Ort wird habe ich mal gepflegt übersprungen. Das wär mir dann doch zuviel geballtes Expertenwissen gewesen,

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3 Gedanken zu „Fansubdiskussion – Eine vertane Chance

  1. Also ich muss mal kurz bemerken, dass der Anime Virtual Mensch aber auch überhaupt keine Ahnung gehabt hat, wie ein Fansub überhaupt aussieht. Mit Jo Kaps war ich sehr zufrieden. Das Problem war einfach, man hätte sich viel Zeit sparen können, indem man die rechtlichen Sachen am Anfang einfach weglässt. Es ist klar, dass das illegal ist und das hat wohl jeder im Raum auch gewußt. Crunchyroll oder ähnliches könnte die Zukunft sein, aber im Moment ist man als Europäer dort Kunde zweiter Klasse und darf vieles überhaupt nicht gucken. Zudem leidet die Seite immer noch unter dem hardwarehungrigen Flash-Player.

    Und die Publikumsfragen waren auch nicht alle schlimm, aber man kann keine Wunder erwarten. Das ist bei jedem Panel so…

    Leider ist es Deutschland bei den DVDs wirklich so, dass die viel mehr Macken haben als vergleichbare in den USA, deswegen ist es klar, das sowas bei so einem Panel zur Sprache kommt. Dt. Fansubs sind aber auch alles andere fehlerfrei…^^

    Klar, die ähnlichen Panels in den USA sind besser, aber da waren die Gesprächsteilnehmer auch etwas weiter, was die moderne Technik angeht.

  2. „Dt. Fansubs sind aber auch alles andere fehlerfrei…^^“…

    Seh ich ähnlich. Die dt. Animeszene ist doch generell rückständiger als die amerikanische. Hab die Doku jetzt nicht gesehen (und will ich nach dem Artikel auch nicht *g*), finds aber bemerkenswert, dass so eine Aktion überhaupt versucht wurde. Immerhin sind zumindest die Publikumsfragen ne ziemlich gewagte Idee, bei so ’nem ganzen Raum voller Verrückter ;)…

  3. Ich habe mir den Mitschnitt der Diskussion angesehen (leider vorm Lesen dieses Blogs, sonst hätte ichs mir auch gespart ;)) und mich etwas geärgert, dass fast nur die deutsche Seite betrachtet wurde.

    Hätte lieber gehört, wie stark Fansubs den jp. Markt beeinflussen und die Zukunft für Anime dort aussieht. Wenn es denn eine gibt.

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