Manga Reader – Eine Übersicht

Honeyview sieht stylish aus und erfüllt alle Pflichtanforderungen. Nur ein paar Extras fehlen.

Auch wenn es eine große Menge an verschiedenen Mangas den Weg nach Deutschland schafft, so gibt es doch weitaus mehr Serien und One-Shots, die ihren Weg nie in gedruckter Form nach Deutschland schaffen. Importiert man diese nich in Moonspeak (aka Japanisch) oder liest man diese nicht auf seinem Ebook Reader, so nimmt man dafür normalerweise einen Bildbetrachter für Windows. Da die Windows-Fotoanzeige alles andere als geeignet für dieses Unterfangen ist, werden im Folgenden einige Programme, die in der Regel für das Betrachten von Fotos gedacht sind auf ihre Mangatauglichkeit hin untersucht. Und neben den Klassikern wie IrfanView und ACDSee sind auch einige waschechte Manga Reader Programme dabei.

Nachfolgend wird auf einige Punkte für das Mangalesevergnügen besonderen Wert gelegt: Gibt es einen Vollbildmodus, kann man in diesem alles bis auf das Bild ausblenden und unterstützt er verschiedene Zoomstufen? Dann ist es auch wichtig, ob man eine bestimmte Zoomstufe beibehalten („Zoom Lock“) kann und ob beim virtuellen Umblättern unabhängig von der Zoomstufe immer zuerst der obere Teil der Seite angezeigt wird („Pan Lock“). Wichtig ist außerdem, ob man die Belegung der Maustasten frei konfigurieren kann, so dass man z.B. mit dem Mausrad zwischen den Seiten blättern kann und mit der linken Maustaste bei Seiten die größer als der Bildschirm angezeigt werden den angezeigten Bildausschnitt durch die Bewegung der Maus verändern kann. Irrelevant sind hingegen typische Bildbetrachterfunktionen wie das auslesen von EXIF-Daten, Thumbnaildarstellung von Ordnerinhalten, etc.

Der kommerzielle Klassiker der Bildbetrachter ist wohl ACDSee. Dieser genügt nicht nur allen Ansprüchen als Programm zur Anzeige und Verwaltung von Fotos, sondern erfüllt auch sämtliche der oben aufgeführten Anforderungen an einen Manga Reader. Nachteilhaft sind allerdings die Trägheit beim Starten, da die Software nur so vor Funktionen strotzt, kleinere Unschönheiten bei der Änderung der Zoomstufe und allem voran der happige Preis von 50€ für eine Software, die man eventuell tatsächlich nur als Manga Reader benutzen möchte.

Irfanview kommt simpel und pragmatisch rüber. Ist aber umständlich zu bedienen.

Der nichtkommerzielle Klassiker unter den Bildbetrachtern ist zweifelsfrei IrfanView. Auch hier gibt es einen Vollbildmodus, einrastbare Zoomstufen und das unverzichtbare Pan Lock. Schön ist auch, dass einem wenn man die erste bzw. letzte Datei in einem Verzeichnis erreicht ein Verzeichniswechsel angeboten wird. Fast unverzeilich ist hingegen die feste Tastatur- und vor allem Maustastenbelegung. So ist zwar eine Navigation ausschließlich mit der Maus im Vollbildmodus mit einer Zoomstufe bei der die einzelnen Seiten größer als die Displayauflösung dargestellt werden prinzipiell möglich, aber eine Qual da man zum Beispiel den aktuellen Bildausschnitt nur langsam mit dem Mausrad verändern kann.

Auch sehr populär ist das ebenfalls kostenlose XnView, welches deutlich einfacher zu konfigurieren ist als IrfanView und auch eine komfortable Änderung der Tastatur- und Maustastenfunktionen bietet. Allerdings disqualifizieren XnView zwei Punkte als Manga Reader. Zum einen flackern im Vollbildmodus neue Bilder ganz kurz (trotz vorzeitigem Laden) und vor allem gibt es kein Pan Lock, trotz Zoom Lock. Das bedeutet wenn man eine Seite in Originalauflösung darstellen lässt und diese größer als die Bildschirmauflösung ist, so beginnt man auf Seite eins mit einem Ausschnitt oben auf der Seite, bewegt den Ausschnitt mit der Maus dann nach unten zum Ende der Seite. Wenn man dann umblättert, bzw. zur nächsten Seite wechselt, wird einem nicht zuerst wieder der obere Teil von Seite zwei gezeigt (Pan Lock), sondern genau der gleiche Bildausschnitt wie auf Seite eins – also der untere. So muss man dann manuell erst wieder nach oben scrollen. Ein totales KO-Kriterium.

Ein langweiliges Menü verbirgt in MCEE ungeahnt umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten.

Das extra für Mangas und Comics entwickelte HoneyView glänzt nicht nur mit einem optimal auf den Anwendungszeck abgestimmten Funktionsumfang, inklusive aller oben verlangten Funktionen an einen Manga Reader, sondern bietet darüber hinaus noch eine hübsche, abgespeckte und schnelle grafische Oberfläche und einige nette Spezialfunktionen. So macht es mit HoneyView auch richtig Spaß Mangas nur mit dem Mausrad zu lesen. So wird wenn das Bild in Originalgröße dargestellt wird bei einmal „drehen“ sanft und schnell zum unteren Seitenteil gescrollt. Bei nochmal „drehen“ die nächste Seite angezeigt und beim nächsten mal wieder schnell nach unten gescrollt. Auch gibt es ein Navigationsmenü, welches sich einblendet wenn man im Vollbildmodus den Mauscursor an die untere Bildschirmkante bewegt, es ist einstallbar was passieren soll wenn man die letzte Datei im Ordner erreicht, etc. Einziger Nachteil ist allerdings, dass man die Scrollgeschwindigkeit des Mausrads nicht ändern kann.

MangaMeeya (auch MMCE) ist ebenfalls wie der Name schon preisgibt primär ein Programm zum Lesen von Mangas. Eine herausragende Eigenschaft des Programms ist, dass es praktisch nichts gibt, was man nicht selber konfigurieren könnte um es seinen eigenen Geschmack anzupassen. Das geht so weit, dass man Mausgesten festlegen kann, das Programm mit einem Gamepad(!) steuern kann und z.B. für Multimonitorbetrieb ein weiteres Betrachtungsfenster öffnen kann. Auch ansonsten gibt sich das Programm vom Funktionsumfang und den Eigenschaften her keine Blöße. Lediglich die graphische Oberfläche wirkt etwas altbacken und die Aufteilung der zahlreichen Optionsdialoge in den Einstellungen ist alles andere als inutitiv.

Fazit:

Die beiden Gewinner dieses Vergleichs heißen HoneyView und MangaMeeya. Beide decken den an sie gestellten Funktionsumfang vollständig ab und übertreffen ihn teilweise mit Funktionen, die beim Manga lesen am Computer nützlich und komfortabel sind. An HoneyView gefällt die ansprechende Oberfläche und die beste Realisierung des „Nur mit Mausrad“ Lesens unabhängig von der Zoomeinstellung. Störend ist hingegen, dass diese Scrollgeschwindigkeit nicht verändert oder ganz ausgeschaltet werden kann.

MangaMeeya hingegen ist das perfekte Programm für jeden, der seine eigenen Vorstellungen hat, wie das navigieren von Mangas von statten zu gehen hat. Der Umfang an Konfigurations- und Einstellungsmöglichkeiten ist unübertroffen (bezogen auf Mangas lesen). Darüber hinaus leistet sich das Programm sonst nirgends Schwächen. Abgesehen von einer altbackenen und zu Teilen nicht durchdachten Bedienoberfläche.

Soll es umbedingt eine All-in-One Lösung mit Fotoverwaltung, -betrachtung, etc. sein sticht ACDSee positiv hervor, welches das beste Gesamtpaket abliefert, falls man alles was mit Bildern und Fotos zu tun hat mit einem Programm erschlagen möchte. Wenn der Preis ein Hindernis darstellt kann auch IrfanView eine Lösung sein, wenn man sich denn an die krude Bedienung gewöhnen kann.

Hinweis: Zum Testen gibt es MMCE und Honeyview auf den jeweiligen Seiten auch als Portable-Version (MMCE sogar ausschließlich). Von IrfanView und XnView gibt es auf portableapps.com Versionen die man nicht installieren braucht.

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5 Gedanken zu „Manga Reader – Eine Übersicht

  1. Ich benutze seit Ewigkeiten CDisplay_1.8.5.1.exe

    Die anderen hier genannten habe ich zwar bereits getestet, fand aber immer wieder zu CDisplay zurück, es gibt auch CDisplayEX, allerdings fand ich es damals (als ich es auch getestet hatte) nicht so viel besser als das alte.
    Leider kann CDisplay keine Archive mit Sonderzeichen öffnen, so dass ich dann gelegentlich doch zu HoneyView3 umsteige, aber das kommt sowieso nur bei Raws ohne Romanji vor, also praktisch nie.

  2. @pRoMeThEuS
    Wusst ich doch, dass ich eines der wichtigeren Programme vergessen hatte. Wenn ich dazu komme nehme ich es auch noch mit auf in die Übersicht.

  3. Hab mir gerade mal kurz CDisplay und CDisplayEX angeguckt und bin von beiden ziemlich enttäuscht. In CDisplayEX kann man _nichts_ konfigurieren, nicht mal die Hintergrundfarbe im Vollbildmodus. Und obwohl das Programm so wenig Funktionen bietet ist es stellenweise recht träge.
    Das originale CDisplay wird anscheinend seit längerem nicht mehr weiterentwickelt und überzeugt mich auch nicht wirklich: Konnte keine Option für Pan Lock finden oder dafür unten rechts die (störende) Anzeige für die aktuelle und Gesamtanzahl von Bildern auszuschalten, etc.
    Gibt es irgendwelche Killerfeatures die trotzdem dafür sprechen?

  4. Ich nutze mein bloginternen Mangareader. Mit Chrome und MangaReader ist das Lesen von Mangas kostenlos, praktisch, gut und sortiert. Außerdem werde ich immer beim Surfen informiert, wenn ein neues Kapitel meiner gelesenen Serien zur Verfügung steht.

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