Namco Bandai – oder: Wie fahre ich die Tales of-Serie im Westen in Grund und Boden

Ein japanisches Spiel im Anime-Look für Japanophile – Ohne japanische Sprachfassung?

Die Tage erscheint Tales of Graces f nach Jahren des Wartens und der Ungewissheit endlich lokalisiert für die PS3 in Amerika und wenige Monate später auch hierzulande mit sogar mit deutschen Untertiteln. Eigentlich ein Grund zur Freude oder? Meine Vorfreude geht inzwischen jedoch gegen Null, aber alles der Reihe nach…

[ Der folgende Artikel ist etwas länger, aber er gibt einen schönen Überblick über die Tales of-Serie und Namcos bzw. Namco Bandais (im Folgenden in beiden Fällen immer „Namco Bandai“) großartige Publishingtätigkeit und -erfolge ]

Was die Tales of-Serie angeht reichen meine Erinngerungen zurück bis zum Release von Tales of Symphonia, was auch ein Amerika und Europa und dort sogar mit deutschen Untertiteln heraus kam, das ich aber als es erschien nicht weiter wahrgenommen und links liegen gelassen habe. Nun stellt sich die Frage, warum so jemand wie ich, der zweifelsfrei ein Riesenfan von JRPGs ist, solch eine unbestrittene Perle seines Genres einfach ignorieren würde. Nun das könnte etwas damit zu tun haben, dass das Spiel nur für die „Erfolgsplatform“ namens Gamecube erschienen ist und ich wohl für die meisten Spreche wenn ich sage, dass sie wohl zu der Zeit wenn überhaupt nur eine PS2 besessen haben. So war das dann auch bei mir der Fall. Aber das was ich gerade gesagt habe ist so auch nicht ganz richtig. Tatsächlich ist Tales of Symphonia auch für die PS2 erschienen. Allerdings ausschließlich in Japan. Diese Version hat es jedoch nie hierher geschafft, obwohl mit der Gamecubeversion bereits eine vollständig lokalisierte Version vorlag.

In 2004 bzw. 2005 erschien dann in Japan bzw. dem Rest der Welt die PSP, welche Heimat für zahlreiche Tales of-Teile werden sollte, eines der ersten war Tales of Eternia, eine Portierung des PS1-Klassikers. Diese schaffte dann aber nur den Sprung bis nach Amerika. Das heißt irgendwann Jahre später auch nach Europa, als die PSP aufgrund der Raubkopien praktisch bereits keine Rolle mehr außerhalb Japans gespielt hat. Was es sonst an Iterationen der Serie für die PSP in den Westen geschafft hat ist eine im Vergleich zur japanischen Bibliothek traurig kurze Liste…

Springen wir in die Gegend um 2006, wo die altgedienten Heimkonsolen wie die PS2 und die Xbox von ihren jeweiligen Nachfolgern abgelöst wurden. Wenn man sich die Situation zu der damaligen Zeit in Erinnerung ruft, dann weiß man, dass in Japan und Europa die PS2 und in Amerika die Xbox dominiert und die PS2 die unbestrittene Hochburg für JRPG-Fans ist. Also was machen selbige sowohl in Europa als auch in Japan als es heißt „Xbox 360 oder PS3“? Sie entscheiden sich in freudiger Erwartung für die PS3, die ihnen hoffentlich ebenso viele gute JRPGs beschert, wie ihr Vorgänger. Nur haben die Fans sowohl jenseits als auch diesseits des Ozeans nicht mit Namco Bandai (und ein bisschen Überredungskunst seitens Microsoft in Form von Geld) und deren Spitzenidee sämtliche eigene JRPGs exklusiv für die Xbox 360 zu veröffentlichen gerechnet. Wie das ausgegangen ist wissen wir leider alle. Nachdem Titel wie Tales of Vesperia und Eternal Sonata exklusiv für die Xbox 360 erschienen sind und überall auf der Welt deswegen mehr oder weniger gefloppt sind (damals waren wie gesagt die JRPG Spieler noch im Playstation-Lager und Leute die eine Xbox 360 besessen haben, wollten damit Halo, aber nicht Spiele im Anime-Look spielen), kamen dann nach und nach auch nochmals verbesserte Versionen für die PS3 heraus, da -Überraschung- Exklusiv doch nur Zeitexklusiv geheißen hat. Und während diese erweiterte Version es im Falle von Eternal Sonata noch hierher geschafft hat, hat die stark erweiterte Version von Tales of Vesperia niemals eine offizielle Veröffentlichung außerhalb Japans erfahren. Dies ist gleich in doppelter Hinsicht schade, da nicht nur der zusätzliche Content fehlt, sondern aufgrund der Platzbegrenzung des Speichermediums DVD im Falle der Xbox 360 leider nur die englische Sprachausgabe auf der Disc ist (wenngleich ziemlich gut, eben kein Vergleich zur originalen japanischen Version).

Springen wir in die unmittelbare Vergangenheit. Vor zwei Jahren noch habe ich Namco Bandai noch auf eine Liste von Publishern gesetzt, auf die ich nicht sonderlich gut zu sprechen bin, und im Fall von Namco Bandai aus den oben genannten Gründen. Geschlossen hat die Bewertung aber dennoch recht optimistisch mit der Aussage „Alles in allem besteht für Namco Bandai – nach meinen Maßstäben – aber noch Hoffnung„. Geradezu euphorisch war ich vor einem Jahr, als bekannt wurde, dass Tales of Graces, zwar niemals in einer lokalisierten Version für die Wii, aber die erweiterte Version Tales of Graces f für die PS3 auch in Amerika und Europa erscheinen wird. Und dann legte Namco Bandai nicht einmal sondern sogar gleich zwei mal kräftig nach mit den Ankündigungen, dass Tales of the Abyss 3D und Ni no Kuni (PS3-Version) ebenfalls den Sprung aus Japan in unsere Gefilde schaffen. Ein Wandel vom Saulus zum Paulus also könnte man meinen und alles eitel Sonnenschein?

Mitnichten und dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Zum einen ist Tales of Graces f inzwischen in Japan schon wieder längst ein altes Eisen und selbst der Nachfolger Tales of Xillia ist nicht mehr taufrisch und für diesen gibt es noch nicht einmal eine Ankündigung, dass er es je zu uns herüber schafft. Das Gegenargument, dass Namco Bandai frühestens eine Ankündigung macht, wenn Tales of Graces f auch in Europa schon länger draußen ist gilt nicht: Die zeitliche Lücke zwischen den Veröffentlichungen in Japan und Europa ist inzwischen so groß, dass spätestens wenn die PS4 und die Xbox 720 erscheinen werden, mindestens ein Titel auf der Strecke bleiben wird, da der Titel hier mit so viel Verspätung für eine längst nicht mehr aktuelle Konsole erscheinen würde, dass er wie Blei in den Regalen liegen bleiben würde.
  • Während es also zumindest Tales of Graces f und Tales of Abyss 3D hierher schaffen verliert Namco Bandai kein Wort zu dem ebenfalls gerade in Japan erschienen Tales of Innocence R, obwohl kein einziger Grund gegen eine Ankündigung zur jetzigen Zeit sprechen würde – im Gegenteil: Es gibt sicher viele, die sich mit einem Tales of-Teil im Start-Lineup auch eine PSVita anschaffen würden. Außer man hat gar nicht vor den Titel hier herauszubringen, was mit jedem Tag wahrscheinlicher wird, oder man hat die PSVita schon komplett als Platform aufgegeben. Es ist denke ich jedenfalls bezeichnend, dass Namco Bandai mir auf meine Email-Anfrage von vor über zwei Wochen, ob man mir bestätigen kann, ob hinsichtlich Tales of Innocence R noch alles offen ist oder es definitiv nicht lokalisiert wird, noch nicht einmal geantwortet hat…
  • Der Punkt der mir fast am sauersten aufstößt ist die Art der Lokalisierung. Zweifelsohne, die bisherigen Ports waren gut und selbst die englischen Synchros waren -für englische Synchros- ganz passabel. Aber mit Tales of Graces f erscheint jetzt das erste Tales of für die PS3 außerhalb von Japan und während man bei der Xbox 360 Version von Tales of Vesperia noch argumentieren konnte, dass auf den DVDs für die japanische Sprachfassung kein Platz ist, so ist dies bei einer BluRay einfach nicht der Fall. Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, wieso Namco Bandai hier seinen Fans so vor den Kopf stößt. Der zusätzliche Aufwand die japanische Sprachversion mit in das Spiel zu packen geht gegen Null und abgesehen von Namco Bandai und Square Enix tut es inzwischen seit Jahren sowieso jeder andere Publisher.

Das Ende vom Lied:

Ich bin es einfach so Leid, dass der europäische und amerikanische JRPG-Markt von Namco Bandai so bestenfalls halbherzig bedient wird. Neben sehr kurzsichtigen fragwürdigen politischen Entscheidungen wie den Releases von Hauptserienteilen auf den Konsolen die das Zielpublikum gerade nicht hat, wie im Fall von Tales of Symphonia für den Gamecube und Tales of Vesperia für die Xbox360, was neben dem Abstieg von Final Fantasy zum Versinken in der Bedeutungslosigkeit von JRPGs heutzutage im Westen beigetragen hat, dem Auslassen einer Lokalisierung von geschätzt der Häfte aller Tales of-Titel, jahrelangen Wartezeiten für die lokalisierten Versionen, kommt jetzt auch noch das willentliche und absichtliche Weglassen des originalen japanischen Sprachtracks.

Man stelle sich vor US-Kinofilme würden hierzulande immer noch erst Monate bis Jahre nach dem US-Start im Kino anlaufen. Undenkbar. Die Piraterie und Importe haben die Produzenten und Publisher dazu gezwungen die Filme am besten schon zeitgleich zum US-Kinostart oder Disc-Release auch bei uns zu veröffentlichen. Das Ergebnis: Wir kriegen die Filme deutlich früher und die Einnahmen an den Kinokassen sprudeln wieder wie früher. Oder alternativ kann man sich auch gerne vorstellen die Publisher würden bei sämtlichen Filmen und Serien die auf DVD und BluRay rauskommen den Originalton weglassen. Das würde zu Massenprotesten führen. Das kann sich einfach niemand leisten. Und wieso auch? Das sind alles Dinge von denen die Kunden profitieren und kaum Mehraufwand für die Publisher bedeutet. Der einzige Grund also, warum Namco Bandai sich all diese Dinge leisten kann und noch mehr ist, dass die Kunden aufgrund der Sprachbarriere im Vergleich zur Filmwirtschaft nicht auf das Original oder Raubkopien davon ausweichen können. Und da somit alle Kunden die nicht gerade des japanischen mächtig sind auf die dann hoffentlich überhaupt erscheinende lokalisierte Version angewiesen sind heißt es dann „Friss oder Stirb„. Leisten kann sich das Namco Bandai unbestritten, wie gesagt es gibt ja sonst keinen Weg an die jeweiligen Spiele zu kommen und den Inhalt zu verstehen, aber ob das in der hier beschriebenen Form sein muss, das wäre etwas was sich mal jemand bei Namco Bandai fragen könnte – und sollte.

PS: Das war das Ende vom Lied, aber das traurige Ende vom Lied ist, dass wenn sich die Titel aus all den oben genannten Gründen hierzulande nicht verkaufen sollten, dann wird das letzte was passiert sein, dass sich jemand bei Namco Bandai an die Nase fässt und über diese Punkte nachdenkt. Die Lösung ist viel einfacher: Es wird einfach heißen, dass sich JRPGs auf dem westlichen Markt nicht mehr verkaufen und es werden noch weniger hier erscheinen. Also egal was passiert, wir als Konsumenten haben schon verloren.

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3 Gedanken zu „Namco Bandai – oder: Wie fahre ich die Tales of-Serie im Westen in Grund und Boden

  1. ich weiss nicht was du willst aber für was braucht man für europa ne japanfassung … leuchtet mir absolut nicht ein das die japanischen stimmen leicht fürn a sind

    zu den anderen games man sollte froh sein das überhaupt mal solche games das augenlicht in europa geöffnet haben

    was wir bisher kennen sind seid 7 jahren dumme shooter

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