Die echten Vor- und Nachteile der Playstation 4 Pro

PS 4 Pro Videoteaser720

Nach der Vorstellung der Playstation 4 Pro ist die Resonanz im Internet eher negativ. Auch in Podcasts wie dem Giant Bombcast oder PS: I love you XOXO kassiert die neue Konsole hauptsächlich Negativpunkte. Und auch wenn einige der Kritikpunkte berechtigt sind und Sony sich die vielen enttäuschten Reaktionen zum großen Teil aufgrund einer mäßigen und unklare Vorstellung selber zuzuschreiben hat, so ist die Kritik teilweise vollkommen überzogen, unrealistisch und weist ausgerechnet bei den Spielejournalisten große Defizite an technischem Verständnis und Recherche auf.

Aber was sind nun die echten Vor- und Nachteile?

Playstation 4 Pro:

Die Playstation 4 Pro erscheint bereits in zwei Monaten. Das heißt ganz egal wie viel schneller (und wahrscheinlich teurer) eine Xbox One Scorpio sein wird, sie steht erst ein Jahr später zum Verkauf. Dann kostet die PS4 Pro mit 399 Euro nicht mehr als die Playstation 4 zur Erscheinung und hat mit 100 Euro einen vergleichsweise geringen Aufpreis zur Slim. Im Vergleich kostet alleine eine nvidia Geforce GTX 1070, welche zwei Stufen unter nvidias Spitzenmodell ist, im Bereich von 399 bis 499 Euro.

Quasi alle Komponenten die zum Spielen benötigt werden sind besser: RAM, CPU und GPU. Dabei ist alleine die GPU mehr als zwei mal so schnell wie die der normalen Playstation 4. Aber auch die Fesplattenkapazität ist doppelt so groß mit 1 Tb und 5 Ghz WLAN bindet die Konsole schneller an das Heimnetzwerk. Zwei Punkte die häufig übergangen werden, aber trotzdem wichtig sind!

Die vielleicht am kompliziertesten zu verstehenden Neuerungen sind die Auflösung und der Kontrastumfang. Die Playstation 4 Pro kann Spiele in bis zu 4k-Auflösung berechnen, meist bleibt die Auflösung aber darunter und es erfolgt ein Upscaling. Was viele aber nicht zu verstehen scheinen, vor allem da es nur einmal im Nebensatz auf der Konferenz erwähnt wurde, ist dass nicht ein normales Upscaling wie es jeder Fernseher, AV-Receiver, Grafikkarte und sogar Konsole unterstützt zum Einsatz kommt, sondern ein deutlich komplizierteres Verfahren, welches deutlich bessere Ergebnisse verspricht. Erste Eindrücke sprechen von Ergebnissen die zwar nicht so gut wie natives 4K ausfallen, aber ein deutliches Upgrade gegenüber dem Full-HD der normalen PS4 sind.

Es bleibt HDR, was Mark Cerny auf der Pressekonferenz als wichtigste Änderung im TV-Bereich der letzten 10 Jahre bezeichnet hat, und deutlich detailreichere Szenen in denen große Kontraste verspricht. Auch hier waren die ersten Eindrücke der Presse vor Ort wieder sehr positiv. Und hier hat die PS4 Pro einen echten Vorteil gegenüber dem PC, denn es gibt bislang und in nächster Zeit schlicht keine PC-Monitore die HDR unterstützen.

Und wenn man „nur“ in Full HD spielt hat die neue Konsole trotzdem Vorteile: Bessere Framerates, mehr Umgebungsdetails, höhere Texturqualität und besseres Anti-Aliasing sind nur einige der Möglichkeiten derer sich Entwickler bedienen können um das Spielerlebnis aufzuwerten.

Auch nicht zu vergessen: Die eigene PS4-Spielesammlung, egal ob digital oder analog, bleibt zu 100% kompatibel. Zwar zu erwarten bei einer Konsole die nur einen halben Schritt macht, aber längst nicht selbstverständlich im Konsolenmarkt.

Playstation 4 K (ontra):

Der, wie es in der öffentlichen Diskussion scheint, größte Nachteil der Playstation 4 Pro ist die fehlende UHD-Bluray Unterstützung. Und während ich das nachvollziehen kann, erst recht bei einem „Pro“ im Namen und Fokus auf 4k, gehe ich von einer vergleichsweise geringen Nutzung, einem Fokus auf „Gaming“ und einer Sprengung des Preises von 399 Euro als Gründe seitens Sony aus. Trotzdem wäre es ein nice to have gewesen.

Ein weiterer Nachteil ist die Notwendigkeit eines entsprechenden 4k-Fernsehers damit man große Vorteile wie eine höhere Auflösung und einen erweiterten Kontrastumfang überhaupt nutzen kann. Und zur Zeit kosten gute 4k-Fernseher mit HDR-Unterstützung, und dazu noch am besten ein AV-Receiver mit 4k- und HDR-Support, einfach noch eine sehr große Menge Geld, so dass die wenigsten über die notwendige Ausstattung verfügen werden.

Der PC und die Xbox One Scorpio sind bessere Alternativen. Hier gibt es noch viel bessere Performance als bei der PS4 Pro und echte 4k-Auflösung. Der Fairness halber muss man aber erwähnen, dass ein entsprechender PC aber auch deutlich teurer wird und die Xbox One Scorpio in einem Jahr erscheint, mindestens genau so teuer ist und man nichts mehr mit seinen PS4-Spielen anfangen kann. Aber nichtsdestotrotz: Besser ist besser und Scorpio wird eine GPU haben die noch mal um die Hälfte besser ist als die der PS4 Pro.

Die PS4 Pro wird für die meisten Spiele höchstwahrscheinlich im Full HD-Modus, trotz mehr als zwei mal so schneller GPU, die Framerate nicht einfach gegenüber der normalen PS4 von 30 fps auf 60 fps verdoppeln können. Hier wird die schnelle Grafikkarte einfach von der immer noch viel zu lahmen, und auch bei der Pro mit 30% mehr Takt kaum schnelleren, CPU ausgebremst.

Außerdem bleibt es dem Entwickler überlassen ob er dem Spieler im Full HD-Modus, wie z.B. bei Rise of the Tomb Raider der Fall, die Freiheit gibt zwischen Performance und Grafikqualität zu wählen, oder einfach nur den Sub-4k Framebuffer auf Full-HD runterrechnet, was am Ende dem gleichen Erlebnis wie auf der normalen PS4 mit besserem Anti-Aliasing entspricht.

Oben habe ich von den „echten Vor- und Nachteilen“ gesprochen. Den folgenden Punkt möchte ich davon ausnehmen, da er bis man die echte PS4 Pro in den Händen hält nicht überprüfbar ist. Allerdings habe ich etwas Angst, dass das oben erwähnte, aufwendigere Verfahren der PS4 Pro zum Upscaling, aufgrund seiner temporalen Komponente, in manchen Spielen zu einer schlechteren Bildqualität führen könnte. Vor allem bei Actiontiteln die mit 30 Bildern pro Sekunde oder weniger laufen. Im Worst Case Scenario spielt man ein Spiel, welches sich nicht gut für temporales Upscaling eignet, auf einem Full-HD Fernseher und der Entwickler hat es sich einfach gemacht und rechnet einfach das Bild für den 4k-Modus wieder auf Full HD runter und schon hat man trotz PS4 Pro ein schlechteres Bild als mit einer normalen Playstation 4. Ein Horrorszenario zu dem es hoffentlich nicht kommen wird.

Playstation 4 Ne o (der?):

Der Preis stimmt, die Hardware ist ein deutliches Upgrade gegenüber der „alten“ PS4 (und das was technisch aktuell möglich ist) und auch ohne 4k TV mit HDR hat die Playstation 4 Pro viele Vorteile die sich. Und sei es nur dass ein Spiel z.B. in Full HD nun statt mit schwankender Framerate unter 30 fps nun mit konstant 30 fps läuft. Wenn man dann noch weiter sehen kann, die Texturen höher aufgelöst sind und mehr Gestrüpp aus dem Boden sprießt – noch besser. Und hat man tatsächlich einen 4k TV mit HDR – noch besser.

Und trotz all der positiven Aspekte hat sich auch bei mir ein wenig Ernüchterung breit gemacht. Weniger wegen dem fehlenden UHD-Bluray Laufwerk (ich möchte an der Konsole hauptsächlich zocken), als viel mehr wegen dem mickrigen CPU-Upgrade, das Spielen in 1080p60 im Weg steht, der vollständigen Vorgabe der Optimierungen durch den Entwickler (u.U. also nur besseres Anti-Aliasing) und der Unsicherheit welchen Einfluss das temporale Upscaling nicht nur in 4k- sondern auch in Full HD hat.

Dabei ist mir klar dass sämtliche genannten Nachteile, bis vielleicht auf das UHD-Bluray Laufwerk, an der Kombination aus Preis, technisch Möglichem und Veröffentlichtlichungszeitpunkt liegen. Einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlässt das ganze doch.

 

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