Gedanken zu Your Name

Der folgende Beitrag enthält Spoiler!

Von Your Name wusste ich im Grunde nur, dass es sich um einen Bodyswap-Film handelt. So einfach ist es aber doch nicht und es ist geradezu faszinierend wie sich Shinkai an wesentlichen Aspekten seiner vorherigen Filme bedient und diese in Your Name einbaut: Das Thema Liebe und Kommunikation über die Zeit hinweg aus Voices of a Distant Star, Szenerien und einen Hauch des Fantastischen aus The Place Promised In Our Early Days und Die Reise nach Agartha und ein Ende das, auch wenn hier zum Happy End umgewandelt, unheimlich stark an 5 Centimeters Per Second erinnert – bis hin zur Inszenierung und dem Einsatz des Insert-Songs. Und um das Ganze abzurunden gibt es ganz am Anfang noch einen vollkommen unerwarteten The Garden of Words Gastauftritt bei dem ich erst dachte ich höre und sehe nicht richtig. In gewisser Weise wirkt Your Name damit wie die Kulmination Shinkais vorheriger Werke die damit als Archetypen für den erfolgreichsten Anime aller Zeiten dienen.

Ein Gedanke der sich mir schon früh beim Sehen aufgedrängt hat ist, dass der Film aus bestimmten Gründen wahrscheinlich international wenig Erfolg haben und sehr schwer zu Synchronisieren sein wird. Das geht los bei der ganzen Menge an japanischer Schrift die häufig zu sehen ist und geht weiter bei Dialekten, bestimmten japanischen Wörtern, Eigenarten der Sprache (Watashi/Boku/Ore) bis hin zu vielen kulturellen Eigenarten wie lokale Gottheiten und Shintobräuche die alle aufgebracht werden. Und hier handelt es sich eben nicht um schmückendes Beiwerk sondern allesamt um Dinge die von großer Relevanz für die Handlung und die Wahrnehmung der Hauptcharaktere durch die Nebencharaktere und das Publikum sind. Das gut ins z.B. Deutsche zu übertragen wird sehr anspruchsvoll und auch ob sich eine größere Reihe an Leuten die nur gelegentlich den ein oder anderen Animefilm gucken sich auf diese Nuancen einlassen wollen – wer weiß?

Ein persönliches Urteil zu Your Name fällt mir schwer. Ich fand ihn gut, aber euphorisch war ich beim gucken nicht. Am meisten Spaß hatte ich bis zu dem Punkt wo der Film aufgehört hat eine Bodyswap-Komödie zu sein und der Komet ins Spiel gebracht wurde. Ich empfand es immer als Stärke dass Shinkais vorherige Filme ein Thema, eine Stimmung und ein Genre hatten. Your Name wechselt von Bodyswap-Komödie zu einem deutlich langsamer erzählten Drama, dann zum Katastrophenfilm und am Ende noch mal zum Melodrama. Alles nicht schlecht, alles hübsch und auch alles von den Seiyuus wunderbar gesprochen, nur hat mich dieses häufige hin und her eher aus der Bahn geworfen als dass es sich in meinen Augen wie eine natürliche Evolution oder etwas was den Film unheimlich bereichert hätte angefühlt hätte. Dazu, aber da habe ich auch beide Augen zudrücken können, sind viele der Zeitreise- und Bodyswapfolgen nicht immer unbedingt super logisch.

Bitte nicht falsch verstehen, ich fand den Film keinesfalls schlecht. Aber nach „erfolgreichster Anime aller Zeiten“ und dem monatelangem Hype auf Twitter da war die Erwartungshaltung natürlich auch wieder absolut unerfüllbar hoch. Mir hat er sogar sehr gut gefallen, aber wo er sich auf meiner persönlichen Liste an Shinkaifilmen finden wird kann ich wahrscheinlich erst wirklich nach einem erneuten Ansehen beurteilen. Nur eines kann ich jetzt schon sagen: Es wird definitiv hinter The Garden of Words sein, aber auch nicht auf dem letzten Platz.

 

 

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